Basler Interessengemeinschaft Dialekt  

Basler Interessengemeinschaft Dialekt

Dialekt

 

Dialekt unter Druck – Wir halten dagegen!

In jeder Sprache ist die Dialektform die besondere regionale Ausdrucksweise – ein kulturelles Erbe, ein Anker der Identität.

In der Schweiz – und insbesondere in der deutschsprachigen Schweiz – ist das Bewusstsein vom Wert der Dialekte noch sehr lebendig. Umgangssprachlich ist der Gebrauch des Dialektes unbestritten. Dialekte verstehen oder Dialekt sprechen ist ein Zeichen von Einfühlungsvermögen, von Nähe und Zugehörigkeit.

Immer wieder kommt die Dialektsprache unter Druck. Sie wird gegenüber den Hochsprachen als minderwertig diffamiert. In gewissen Regionen Europas gilt es als ungebildet, Dialekt zu sprechen.

Im globalisierten Zeitalter wird mit Konkurrenzverlust argumentiert: Kinder sollen „Standardsprache“ lernen und möglichst bald auch Weltsprachen – und den Dialekt vergessen.

Das aber ist alles andere als einfach zu bewerkstelligen. Es geht gar nicht ohne Verbote.

Aus der Schule verbannt

Aus Schweizer Schulen wird der Gebrauch des Dialektes in vielen Kantonen Schritt für Schritt verbannt. Dialekt wird in den Freizeitbereich verwiesen.

Wenn nun diese Praxis auch auf Kindergartenkinder – also auf Vier- bis Sechsjährige – angewandt werden soll, wird Widerstand provoziert, denn wenn Kindern bereits in der Vorschulzeit der Gebrauch des Dialektes vorenthalten werden soll, wird das Ende der Dialektsprache eingeläutet.

Nicht von ungefähr macht sich dieser Widerstand an den Reformen im Kindergarten fest. So formierte sich – neben vielen ähnlichen Bewegungen in der Schweiz – die Basler IG Dialekt, die mit einer Initiative die Ueberbewertung des Hochdeutschen im Kindergarten verhindern wollte.

Leider war diese Initiative nur teilweise erfolgreich. Zwar stimmte in einer Volksabstimmung im Jahre 2012 eine deutliche Mehrheit der Initiative zu. Mit einer hauchdünnen Mehrheit wurde jedoch der Gegenvorschlag angenommen, der einen Kompromiss vorsieht: Hochdeutsch und Dialekt sollen etwa gleich stark gewichtet werden.

Die Umsetzung dieses Kompromisses ist allerdings wenig transparent. Die IG Dialekt wird sich in Zukunft weiterhin für die Förderung des Dialektes im Kindergarten einsetzen müssen.

Es geht letztlich nicht nur um den Umgang mit Dialekt im Kindergarten. Auch in der Primarschule und in den weiterführenden Schulen soll ein unverkrampfter Umgang mit Dialekt möglich sein.

Für ein entspanntes Nebeneinander

Es geht aber auch um Aufklärung und um die Widerlegung von falschen Behauptungen und Vorurteilen.

Die Verteidigung des Dialektes ist kein Kampf gegen Hochdeutsch. Hochdeutsch gehört zu unserem Leben und muss in der Schule praktiziert werden. Auch im Kindergarten ist traditionellerweise die Begegnung mit Hochdeutsch selbstverständlich. Eine Lehrkraft, die Hochdeutsch spricht stellt kein Problem dar, sofern sie dem Dialektgebrauch der Kinder positiv gegenüber steht.

Wir bekämpfen aber die Radikalität mit der der Dialekt aus den Schulen verbannt werden soll. Wir wehren uns gegen die Marginalisierung des Dialektes, der nur noch in folkloristischen Nischen aktzeptiert wird.

Es stimmt nicht, dass Schweizer Kinder Mühe mit dem Hochdeutschen haben, Schweizer Kinder liegen in aktuellen PISA-Sprachtests vor den Deutschen - das trotz einem hohen Anteil von fremdsprachigen Kindern. Deutsche Untersuchungen zeigen zudem, dass im Süden Deutschlands, wo Dialekt als Umgangssprache noch verbreitet ist, auch die Standardkompetenz höher ist. Man könnte also geradezu behaupten, dass der Gebrauch des Dialektes, die sprachliche Beweglichkeit der Kinder fördert.

Hochdeutsch begegnet uns zudem im Alltag viel häufiger als früher – im Radio, im Fernsehen, in der Werbung. Deshalb wird auch der Umgang mit Hochdeutsch zur Selbstverständlichkeit. Das gilt insbesondere für Kinder mit ihrem unbändigen Nachahmungsdrang. Das gilt aber auch für Erwachsene, die heute kaum mehr Mühe haben von einer Sprachform in die andere zu wechseln, auch wenn die Syntax verschieden ist. Die klangliche Dialektfärbung allerdings verschwindet nicht; sie verschwindet auch nicht in andern deutschsprachigen Regionen – z.B. in Deutschland oder Oesterreich. Es ist einzig eine Frage der Definition, welche Färbung als „korrekt“ zu gelten hat.

Warum ist Dialekt wichtig?

Es ist wichtig, dass auch die Dialektsprache mit ihren Besonderheiten erhalten und wo nötig gefördert wird. Sie ist Ausdruck der eigenen (Sprach-)Geschichte und schliesslich unverkennbares Zeichen der Identität.

Das erkennen heute wieder mehr Menschen. Nicht von ungefähr gibt es in vielen europäischen Ländern Bewegungen zur Verteidigung der eigenen Dialektsprache. Ausdruck davon ist auch der Dialektgebrauch in der Musikszene.

In der multikulturellen Gesellschaft mit den vielen fremdsprachigen Menschen gelten jene als „angekommen“ oder integriert, die die örtliche Sprache zumindest verstehen oder sprechen. Das gilt insbesondere für Kinder. Kinder, die Dialekt lernen, sind von den andern akzeptiert. Es ist grober Unfug zu behaupten, das Erlernen von Standardsprache sei ein Mittel zur Integration. Oder ein Mangel an Standardkompetenz würde sich im Erwachsenenleben negativ auswirken. Tatsache ist, dass Kinder spielend Dialekt und Hochdeutsch lernen können, wenn sie damit befasst sind.

Dafür steht die IG Dialekt:

Der Einsatz für den Erhalt des Dialektes hat nichts mit Heimattümelei zu tun, umso mehr mit dem Erhalt der kulturellen Eigenständigkeit.

Der Einsatz zur Erhaltung des Dialektes ist kein (partei-)politisches, sondern ein kulturelles Anliegen.

Folgerichtig ist die IG Dialekt eine überparteiliche Organisation.

 

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